Amazon Web Services (AWS) führt Gespräche über den direkten Verkauf seiner selbst entwickelten Trainium-KI-Chips an externe Rechenzentren. Dieser Schritt markiert eine strategische Erweiterung des bisher primär intern genutzten Chip-Portfolios und zielt auf eine direktere Positionierung gegen die aktuelle Marktdominanz von Nvidia ab.
Strategische Ausrichtung
Amazon CEO Andy Jassy erklärte in seinem Aktionärsbrief vom April 2026, dass der Verkauf ganzer Racks eigener Chips an Dritte „durchaus möglich“ sei. Bisher waren die Trainium- und Inferentia-Chips hauptsächlich innerhalb der AWS-Cloud verfügbar. Die geplante Öffnung schafft eine neue Schnittstelle zwischen Amazons proprietärer Hardware-Entwicklung und externen Rechenzentrumsbetreibern.
Technische Grundlagen des Portfolios
Die Trainium-Chips sind für das Training großer Sprachmodelle und generativer KI-Systeme optimiert. Die dritte Generation (Trainium3) bietet eine erhebliche Leistungssteigerung gegenüber der Vorgängerversion und ist bereits weitgehend ausverkauft. Die nächste Generation, Trainium4, soll in etwa 18 Monaten in größerem Umfang verfügbar werden und weitere signifikante Verbesserungen bei Rechenleistung, Speicherbandbreite und -kapazität liefern.
Die Inferentia-Chips sind auf Inferenz-Aufgaben ausgelegt. Kunden, die von Nvidia-GPUs auf Inferentia-Instanzen migrieren, berichten von deutlichen Kostensenkungen.
Skalierung und Marktdynamik
Das interne Chip-Geschäft von Amazon, zu dem neben Trainium auch Graviton- und Nitro-Chips gehören, hat eine annualisierte Umsatzrate von über 20 Milliarden US-Dollar erreicht und wächst stark. Jassy schätzt, dass dieses Geschäft bei voller externer Vermarktung eine jährliche Umsatzrate von rund 50 Milliarden US-Dollar erreichen könnte. Die Nachfrage nach den KI-Chips übersteigt das aktuelle Angebot.
Ausgewählte Partnerschaften
Anthropic betreibt im Rahmen von „Project Rainier“ einen Cluster mit rund 500.000 Trainium-Chips in AWS-Rechenzentren. Amazon hat insgesamt acht Milliarden US-Dollar in Anthropic investiert. OpenAI plant ab 2027 die Nutzung einer Trainium-Kapazität von etwa zwei Gigawatt.
Google hat vergleichbare Pläne angekündigt, seine TPUs an ausgewählte externe Rechenzentren zu verkaufen.
Quelle: TechCrunch AI
FAQ
Welche Chips stehen im Mittelpunkt der Verkaufspläne?
Primär die Trainium-Chips der dritten und vierten Generation, die für das Training großer KI-Modelle entwickelt wurden.
Wie positioniert Amazon seine Hardware gegenüber Nvidia?
Als kostengünstigere Alternative zu den teuren GPUs des Marktführers, bei vergleichbarer Spezialisierung auf KI-Workloads.
Welche Kunden nutzen bereits größere Trainium-Cluster?
Anthropic betreibt einen Cluster von rund 500.000 Trainium-Chips. OpenAI hat die Nutzung signifikanter Trainium-Kapazität ab 2027 angekündigt.