Vom E-Scooter-Gründer zum Orbital-Architekten: Euwyn Poon sichert 5 Millionen Dollar für Weltraum-Rechenzentren
Orbital, gegründet 2026 in Los Angeles, entwickelt KI-Rechenzentren im niedrigen Erdorbit (LEO). Das Unternehmen adressiert die Energie- und Kühlungsgrenzen terrestrischer Rechenzentren durch eine satellitenbasierte Architektur.
Gründerprofil
Euwyn Poon, CEO und Gründer von Orbital, war zuvor Mitbegründer von Spin, einem Anbieter geteilter Elektroroller. Das Unternehmen wurde 2018 von Ford für nahezu 100 Millionen US-Dollar übernommen. Poon verantwortete den Einsatz von Hunderttausenden von Rollern in über 100 Städten. Er absolvierte Cornell University in Computer Science (2004) und Law (2007).
Systemarchitektur im Orbit
Orbital plant eine Konstellation von Satelliten, ausgestattet mit NVIDIA-Servern. Die Systeme nutzen solare Energieerzeugung mit deutlich höherer Energiedichte als bodengebundene Anlagen. Die Wärmeableitung erfolgt durch direkte thermische Strahlung in den Weltraum und ermöglicht damit eine passive Kühlung ohne zusätzliche Medien.
Der Fokus liegt auf KI-Inferenz-Workloads. Diese können in modularen Einheiten auf Satelliten verarbeitet werden. Die Roundtrip-Latenz in 550 km Höhe liegt unter 4 Millisekunden und bleibt damit innerhalb eines konkurrenzfähigen Bereichs zu terrestrischen Cloud-Anbietern.
Die Satelliten sind kühlschrankgroß und werden mit Solarpaneelen ausgestattet, deren Fläche jeweils etwa der Hälfte eines Tennisplatzes entspricht.
Finanzierung und Roadmap
Im Juni 2026 schloss Orbital eine überzeichnete Pre-Seed-Finanzierungsrunde über 5 Millionen US-Dollar ab. Die Runde wurde vom a16z speedrun Fonds von Andreessen Horowitz angeführt. Weitere Investoren sind unter anderem Basis Set, Human Element, Wayfinder, Antler und Ascent.
Die erste Testmission (Pathfinder) ist für April 2027 mit einem SpaceX Falcon 9 Rideshare geplant. Ziel ist der Nachweis von KI-Inferenz-Computing im LEO, die Validierung der Strahlungsabschirmung und die Erprobung der thermischen Architektur. Der erste operationelle Satellit (Orbital-1) mit mehreren GPU-Knoten und Hochbandbreiten-Bodenverbindungen ist für 2028 vorgesehen.
Orbital errichtet derzeit die Forschungs- und Entwicklungseinrichtung „Factory-1“ in Los Angeles.
Quelle: TechCrunch AI
FAQ
Welche Workloads soll Orbital primär verarbeiten?
Orbital konzentriert sich auf KI-Inferenz-Workloads, da diese modular skalierbar sind und keine extrem niedrige Latenz wie beim Training großer Modelle erfordern.
Welchen Vorteil bietet die thermische Architektur im Weltraum?
Durch direkte Wärmeabstrahlung ins Vakuum entsteht eine passive, nahezu unbegrenzte Kühlkapazität ohne Verbrauch von Kühlmedien oder zusätzlicher Energie.
Wann ist die erste kommerzielle Inferenz-Verfügbarkeit geplant?
Der erste zweckgebaute Satellit mit kommerzieller Verfügbarkeit (Orbital-1) ist für 2028 vorgesehen.