Autoren wehren sich gegen Ansprüche von Verlagen und Agenten auf Anthropic-Vergleichszahlungen
Ein Vergleich zwischen Anthropic und einer Klasse von Autoren in Höhe von mindestens 1,5 Milliarden US-Dollar wird durch Konflikte über die Verteilung der Mittel belastet. Autoren berichten, dass Verlage und Literaturagenten Anteile beanspruchen, die sie als unberechtigt oder überhöht einstufen.
Hintergrund des Rechtsstreits
Im August 2024 reichten die Autoren Andrea Bartz, Charles Graeber und Kirk Wallace Johnson eine Sammelklage gegen Anthropic ein. Sie warfen dem Unternehmen vor, Millionen urheberrechtlich geschützter Bücher aus Schattenbibliotheken wie Library Genesis (LibGen) und Pirate Library Mirror (PiLiMi) heruntergeladen zu haben, um die Claude-Modelle zu trainieren. Gerichtsdokumente belegen den Download von über 7 Millionen Büchern.
Anthropic argumentierte, die Nutzung der Datensätze stelle eine Fair-Use-Nutzung dar. Das Bezirksgericht entschied im Juni 2025, dass die Nutzung legal erworbener Bücher zum KI-Training Fair Use sei, ließ die Frage bei piratierten Werken jedoch offen. Die Sammelklage wurde im Juli 2025 zugelassen.
Der Vergleich
Anthropic stimmte im August 2025 einem Vergleich von mindestens 1,5 Milliarden US-Dollar zu – dem größten Urheberrechtsvergleich in der US-Geschichte. Er umfasst fast eine halbe Million Autoren und Titel. Für jedes der rund 500.000 betroffenen Werke sind etwa 3.000 US-Dollar vorgesehen. Die Zahlung regelt ausschließlich die Haftung für vergangene Nutzung, erlaubt keine zukünftige Verwendung und verpflichtet Anthropic zur Vernichtung aller noch vorhandenen Kopien.
Der Zeitplan sieht die Einreichung von Ansprüchen bis 30. März 2026, eine Anhörung zur finalen Genehmigung am 14. Mai 2026 und die Berechnung der Ausschüttungen am 11. Juni 2026 vor. Zahlungen sollen frühestens ab Juni 2026 erfolgen.
Aktuelle Streitigkeiten um die Aufteilung
Autoren melden erhebliche Probleme bei der Verteilung. Verlage beanspruchen teilweise 50 % oder 100 % der Zahlungen auch für Werke, deren Rechte bereits an die Autoren zurückgefallen sind. Die Authors Guild vertritt die Position, dass Autoren bei Rechterückfall vor dem 10. August 2022 vollständig anspruchsberechtigt sind. Bei aktuell lieferbaren Werken fordern einige Verlage 100 %, obwohl der Vergleich einen 50/50-Split vorsieht.
Literaturagenten erheben Ansprüche zwischen 15 % und 25 %. Die Authors Guild sieht Agenten nicht als Rechteinhaber und damit nicht als anspruchsberechtigt.
Betroffene Autoren sollen sich direkt an den Vergleichsverwalter wenden (info@anthropiccopyrightsettlement.com oder 1-877-206-2314) und gegebenenfalls Rechte-Rückfall-Dokumente einreichen.
Quelle: TechCrunch AI
FAQ
1. Erlaubt der Vergleich Anthropic die zukünftige Nutzung der betroffenen Werke zum Training?
Nein. Der Vergleich regelt ausschließlich die Haftung für vergangene Nutzung und erteilt keine Lizenz für zukünftige Verwendung.
2. Haben Literaturagenten Anspruch auf Anteile der Vergleichszahlungen?
Nach Position der Authors Guild sind Agenten keine Rechteinhaber und daher nicht berechtigt, Gelder aus dem Vergleich zu beanspruchen.
3. Was sollten Autoren tun, wenn Verlage oder Agenten unberechtigte Anteile fordern?
Sie sollten sich unverzüglich an den Vergleichsverwalter wenden und entsprechende Dokumente wie Rechte-Rückfall-Briefe einreichen. Es existiert ein 30-tägiges Fenster zur Klärung von Differenzen.