Cybersicherheitsexperten protestieren gegen US-Regierungsverbot für Anthropics leistungsstärkste KI-Modelle
Am 12. Juni 2026 erließ das US-Handelsministerium eine Exportkontrollrichtlinie, die den Zugang zu Anthropics Modellen Claude Fable 5 und Claude Mythos 5 für ausländische Staatsangehörige untersagt. Anthropic deaktivierte daraufhin den Zugriff auf beide Modelle für alle Kunden weltweit.
Hintergrund der Regierungsanordnung
Die Maßnahme wird mit nationalen Sicherheitsbedenken begründet. Im Zentrum steht die Befürchtung, dass die Modelle durch Jailbreaks genutzt werden könnten, um Software-Schwachstellen zu identifizieren und Cyberangriffe zu erleichtern. Berichten zufolge spielte eine Information des Amazon-CEO Andy Jassy über Schwachstellen in Fable 5 sowie Verdachtsmomente hinsichtlich eines möglichen Zugriffs einer China-nahen Gruppe auf Mythos 5 eine Rolle.
Technische Einordnung der Modelle
Claude Fable 5 wurde am 9. Juni 2026 als Modell der Mythos-Klasse vorgestellt. Es verfügt über Schutzmechanismen für Hochrisikobereiche und zeigt hohe Leistung in Software-Engineering, Bildverarbeitung und der Identifikation von Software-Schwachstellen.
Claude Mythos 5 basiert auf derselben Grundlage, besitzt jedoch in bestimmten Bereichen aufgehobene Schutzmechanismen. Es war ursprünglich für eine begrenzte Nutzergruppe von Cybersicherheitsverteidigern im Rahmen des mit der US-Regierung abgestimmten Project Glasswing vorgesehen. Anthropic bezeichnet es als Modell mit den stärksten Cybersicherheitsfähigkeiten weltweit, einschließlich der Fähigkeit zum Entdecken, Ausnutzen von Schwachstellen und agentischem Hacking.
Offener Brief der Experten
Über 50 Cybersicherheitsexperten, darunter CISOs und Forscher von Adobe, Zoom und Sophos, haben einen offenen Brief an Handelsminister Howard Lutnick und Nationalen Cyberdirektor Sean Cairncross unterzeichnet. Sie argumentieren, dass das Verbot den Verteidigern mehr schadet als potenziellen Angreifern, Marktunsicherheit schafft und die technologische Führungsposition der USA ohne ausreichende Rechtfertigung gefährdet. Sie verweisen darauf, dass vergleichbare Fähigkeiten zur Schwachstellenerkennung auch in öffentlich verfügbaren Modellen wie OpenAI GPT-5.5 und Anthropic Claude Opus vorhanden sind.
Anthropic selbst bezeichnet die Anordnung als Missverständnis und arbeitet an einer Wiederherstellung des Zugriffs. Das Unternehmen betont, dass die demonstrierten Jailbreak-Techniken nur geringfügige, bereits bekannte Schwachstellen betrafen.
Diese Exportkontrolle stellt den ersten bekannten Fall dar, in dem die US-Regierung den Zugang zu kommerziell verfügbaren KI-Modellen direkt beschränkt.
Quelle: TechCrunch AI
FAQ
Warum haben die Experten den offenen Brief verfasst?
Sie sehen in dem Verbot eine einseitige Schwächung der Verteidigungsseite gegenüber Angreifern und eine Gefährdung der strategischen KI-Position der USA ohne hinreichende Begründung.
Welche Modelle sind konkret von der Anordnung betroffen?
Betroffen sind Claude Fable 5 und Claude Mythos 5 – die derzeit leistungsstärksten Modelle von Anthropic im Bereich Cybersicherheit und Software-Engineering.
Wie reagiert Anthropic auf die Regierungsanordnung?
Das Unternehmen nennt die Maßnahme ein Missverständnis und arbeitet aktiv an der Wiederherstellung des regulären Zugriffs für berechtigte Nutzer.